Manchmal ist es eine Kleinigkeit, an der es auffällt. Die Schrift auf einer Verpackung lässt sich trotz Brille kaum lesen. Im Treppenhaus ist eine Stufe schwer zu erkennen. Oder beim Einkaufen dauert es länger, ein bestimmtes Produkt im Regal zu finden.
Wer solche Situationen erlebt, fragt sich vielleicht: Sehe ich einfach schlechter als früher, oder könnte eine Sehbehinderung dahinterstecken? Die Frage ist verständlich. Im Alltag gibt es allerdings keinen einzelnen Moment, ab dem man selbst sicher sagen kann: „Jetzt bin ich sehbehindert.“
Von einer Sehbehinderung spricht man, wenn das Sehen deutlich eingeschränkt ist und eine gewöhnliche Brille oder Kontaktlinsen die Einschränkung nicht ausreichend ausgleichen. Dabei geht es nicht nur darum, wie scharf jemand sieht. Auch andere Fähigkeiten des Sehens können betroffen sein. Ob eine Sehbehinderung vorliegt, wird fachlich beurteilt. Für die betroffene Person ist daneben wichtig, welche Aufgaben im Alltag schwerfallen.
Sehschwäche und Sehbehinderung: Wo liegt der Unterschied?
„Sehschwäche“ wird im Alltag für ganz unterschiedliche Probleme verwendet. Jemand braucht vielleicht erstmals eine Lesebrille. Eine andere Person erkennt Schilder in der Ferne nicht mehr gut. Beides kann mit diesem Wort beschrieben werden, obwohl die Gründe und die benötigte Unterstützung verschieden sind.
Bei einer Sehbehinderung bleibt eine erhebliche Einschränkung auch mit geeigneter Korrektur bestehen. Eine stärkere Brille ist deshalb nicht automatisch die Antwort. Ebenso wenig kann man allein am Aussehen eines Menschen erkennen, wie gut er sieht.
Ein Beispiel: Eine Person kann ein Gespräch problemlos führen und sich zu Hause sicher bewegen. Beim Lesen eines Briefes oder in einer fremden Umgebung stößt sie dennoch an Grenzen. Eine andere Person liest vielleicht einzelne Wörter, übersieht aber Gegenstände neben sich. Das liegt daran, dass zum Sehen mehr gehört als das Erkennen kleiner Buchstaben.
Eine wichtige Rolle spielt das Gesichtsfeld. Damit ist der Bereich gemeint, den wir wahrnehmen, während wir geradeaus schauen. Ist dieser Bereich eingeschränkt, kann die Orientierung schwierig sein, selbst wenn ein Gegenstand direkt vor den Augen noch gut zu erkennen ist.
Wie zeigt sich eine Sehbehinderung im Alltag?
Nicht jeder Mensch mit Sehbehinderung erlebt dieselben Schwierigkeiten. Oft hängt es von der Aufgabe, der Umgebung und dem Licht ab, ob eine Einschränkung deutlich wird.
| Alltagssituation | Mögliche Schwierigkeit |
| Einen Brief oder eine Speisekarte lesen | Kleine Schrift lässt sich kaum entziffern |
| In einer ungewohnten Umgebung gehen | Kanten, Stufen oder Hindernisse sind schwer zu erkennen |
| Etwas im Regal suchen | Ähnliche Produkte oder kleine Beschriftungen lassen sich schlecht unterscheiden |
| Eine Person begrüßen | Das Gesicht ist aus einiger Entfernung nicht eindeutig erkennbar |
| Bei wenig Licht arbeiten | Einzelheiten oder Kontraste sind schwer wahrzunehmen |
Diese Beispiele helfen, Schwierigkeiten zu beschreiben. Sie sagen nichts Sicheres über deren Ursache aus. Gerade deshalb ist es hilfreich, beim Gespräch über das Sehen konkret zu werden: Was fällt schwer und unter welchen Umständen passiert es?
Manche Menschen entwickeln mit der Zeit eigene Wege, um Aufgaben zu bewältigen. Sie rücken näher an einen Text heran, wählen einen helleren Platz oder lassen sich eine Beschriftung vorlesen. Dadurch kann die Einschränkung für andere lange unbemerkt bleiben.
Ab wann ist eine fachliche Abklärung sinnvoll?
Sie müssen nicht warten, bis eine Tätigkeit gar nicht mehr möglich ist. Wenn Sie trotz Ihrer gewohnten Brille häufiger Schwierigkeiten haben oder sich Ihr Sehen verändert, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll. Bei einer plötzlich auftretenden oder deutlichen Veränderung des Sehens sollten Sie zeitnah ärztlichen Rat einholen.
Für einen Termin können Sie sich einige Alltagssituationen merken oder aufschreiben. Zum Beispiel:
- Welche Schrift oder welchen Gegenstand können Sie schwer erkennen?
- Ist die Schwierigkeit drinnen und draußen gleich?
- Macht die Beleuchtung einen Unterschied?
- Fällt Ihnen die Aufgabe immer schwer oder nur manchmal?
- Hat sich etwas im Vergleich zu früher verändert?
Solche Beobachtungen sind nützlicher als die pauschale Aussage „Ich sehe nicht mehr gut“. Bei der Untersuchung lässt sich klären, welche Eigenschaften des Sehens betroffen sind. Auf dieser Grundlage können Sie besprechen, welche Unterstützung für Ihre Situation infrage kommt.
Welche Unterstützung kann den Alltag erleichtern?
Die Suche nach einer Hilfe beginnt am besten nicht mit einem Gerät, sondern mit einer Tätigkeit. Möchten Sie Post lesen? Zutaten auf einer Verpackung erkennen? Oder brauchen Sie Unterstützung bei einer längeren Aufgabe am Tisch? Die Antworten können zu unterschiedlichen Lösungen führen.
Manchmal machen bereits eine passende Beleuchtung, eine besser lesbare Schrift oder ein deutlicher Kontrast eine Aufgabe angenehmer. Für andere Tätigkeiten können vergrößernde Sehhilfen sinnvoll sein. Elektronische Handlupen zeigen Text oder Bilder vergrößert auf einem Bildschirm an. Je nach Gerät kann auch die Darstellung angepasst werden. Ob das im eigenen Alltag hilft, lässt sich am besten mit vertrauten Unterlagen ausprobieren.
Dabei geht es um praktische Unterstützung, nicht um die Behandlung der Ursache einer Sehbehinderung. Ein Hilfsmittel sollte zu der Aufgabe und zu der Person passen, die es verwendet. Eine Vergrößerung nützt wenig, wenn das Gerät unbequem zu halten oder schwierig zu bedienen ist.
Nehmen Sie beim Ausprobieren ruhig einen Brief, eine Verpackung oder etwas aus Ihrem Arbeitsalltag mit. So merken Sie eher, ob sich genau die Aufgabe erleichtern lässt, die Ihnen wichtig ist.
Der eigene Bedarf ist der beste Ausgangspunkt
Eine Sehbehinderung lässt sich nicht aus einer einzelnen Alltagssituation ableiten. Wer Veränderungen bemerkt, sollte das Sehen fachlich prüfen lassen. Danach wird die Frage konkreter: Wobei wünsche ich mir Unterstützung?
Vielleicht möchten Sie wieder selbst einen Brief lesen. Vielleicht geht es darum, kleine Angaben beim Einkaufen besser zu erkennen. Rehan bietet Low-Vision-Hilfsmittel für unterschiedliche Aufgaben an und unterstützt bei der Auswahl. Ein gutes Gespräch darüber beginnt mit Ihren Erfahrungen im Alltag, nicht mit der Annahme, dass dieselbe Lösung für alle passt.
Häufig Gestellte Fragen
Nein. Menschen mit einer Sehbehinderung können vorhandenes Sehvermögen oft für viele Tätigkeiten nutzen, auch wenn bestimmte Details schwer zu erkennen sind. Wie eine Person sieht, lässt sich aus dem Begriff allein nicht ableiten.
Der Begriff beschreibt ein eingeschränktes Sehvermögen, das sich mit einer gewöhnlichen Brille nicht ausreichend ausgleichen lässt. Im Zusammenhang mit Hilfsmitteln geht es darum, das vorhandene Sehen bei konkreten Aufgaben besser zu nutzen.
Das hängt davon ab, was die Person erkennen kann und wie der Text gestaltet ist. Manche lesen mit vergrößerter Schrift oder einer Sehhilfe. Für andere ist das Vorlesen eines längeren Textes angenehmer. Es gibt keine Lösung, die für alle gleich gut funktioniert.
Wenn sich Schrift und Hintergrund deutlich voneinander abheben, lassen sich Buchstaben häufig besser unterscheiden. Eine sehr kleine Schrift wird dadurch allerdings nicht automatisch gut lesbar.
Eine gewöhnliche Lupe vergrößert das, was Sie durch ihre Linse betrachten. Eine elektronische Handlupe zeigt den vergrößerten Ausschnitt auf einem Bildschirm an. Je nach Gerät können Sie die Darstellung zusätzlich anpassen. Welche Variante sich angenehmer nutzen lässt, sollten Sie mit einem Text oder Gegenstand aus Ihrem Alltag ausprobieren.



